Digitale Gesundheitsanwendungen – kurz DiGAs – gelten als eine der zentralen Innovationen der digitalen Transformation im deutschen Gesundheitswesen. Seit Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetz haben Versicherte erstmals die Möglichkeit, sich evidenzbasierte medizinische Apps von Ärzten oder Psychotherapeuten verschreiben zu lassen – mit Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Was zunächst nach einem einfachen „App auf Rezept“-Modell klingt, steht in der Praxis für einen grundlegenden Paradigmenwechsel: Digitale Technologien werden nicht länger nur als ergänzende Lifestyle-Produkte verstanden, sondern zunehmend als integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung. Zugelassen und geprüft durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sollen Digitale Gesundheitsanwendungen Patienten dabei unterstützen, Krankheiten zu erkennen, zu überwachen, zu behandeln oder deren Verschlechterung zu verhindern – und eröffnen damit neue Möglichkeiten für eine patientenzentrierte, ortsunabhängige und datenbasierte Versorgung. Im Herbst 2020 sind die ersten DIGAs in das Verzeichnis des Bundesinstituts für Medizinprodukte und Arzneimittel (BfArM) aufgenommen worden. Aktuell (Stand Ende Februar 2026) sind in dem Verzeichnis 78 DIGAs (inkl. Aus dem Verzeichnis gestrichene DIGAs) aufgelistet.
Inhaltsverzeichnis
Vorläufig und dauerhaft aufgenommene DIGAs
Damit Digitale Gesundheitsanwendungen in das Verzeichnis des Bundesinstituts für Medizinprodukte und Arzneimittel aufgenommen werden können, müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören Sicherheit, Funktionalität, Datenschutz und Datensicherheit. Ebenso müssen die DiGAs einen nachweislich positiven Versorgungseffekt für die Nutzer erzielen. Um in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen zu werden, muss der Hersteller einer Digitalen Gesundheitsanwendung einen entsprechenden Antrag beim BFArM stellen. Erfüllt die DIGA die Voraussetzung zur Aufnahme in das DIGA-Verzeichnis, erfolgt eine vorläufige Aufnahme für 12 Monate. Nach dieser Erprobungsphase wird die DIGA dauerhaft in das Verzeichnis aufgenommen oder gestrichen.
Übersicht Digitale Gesundheitsanwendungen
*Stand Februar 2026
Aktuell gibt es 50 dauerhaft in das DiGA-Verzeichnis aufgenommene Gesundheitsanwendungen. Vorläufig aufgenommen sind aktuell 11 DiGAs.
2025: Vier neue Digitale Gesundheitsanwendungen erhalten vorläufige Aufnahme im DiGA-Verzeichnis
Im Jahr 2025 wurden insgesamt vier neue Digitale Gesundheitsanwendungen vorläufig ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Im Februar 2025 erhielt die App „elona explore“ von der Elona Health GmbH aus Düsseldorf eine vorläufige Zulassung. Diese App unterstützt Patienten mit Depressionen durch psychotherapeutische Interventionen und psychoedukative Ressourcen. Die 2021 gegründete Elona Health GmbH veröffentlichte zuvor die App „elona therapy Depression“, die bereits endgültig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen wurde. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile über 30 Mitarbeiter. Die Investoren sind u.a. Doublethink Ventures UG (41 %) und Hillebrandt Holding UG (22 %). Insgesamt hat das Unternehmen 35 Gesellschafter.
Zwei neue DiGAs zur Behandlung von ADHS
Im Juli 2025 wurde die App hiToco® der medigital GmbH vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Diese App unterstützt Familien mit Kindern, die unter einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, dabei, den Alltag mit dieser Herausforderung besser zu bewältigen. Die medigital GmbH, mit Sitz in Iserlohn, ist seit 2023 tätig und gehört zu MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co.KG, einem mittelständischen Familienunternehmen, das sich von einem klassischen Arzneimittelhersteller zu einem umfassenden Anbieter für Gesundheitslösungen entwickelt hat. Das Unternehmen beschäftigt mehrere Tausend Mitarbeiter.
Im Juli 2025 wurde die App ORIKO vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Diese App unterstützt die Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen und wurde von Takeda in Berlin und MiNDNET in Hamburg entwickelt. Takeda ist ein weltweit führendes biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Japan. MiNDNET spezialisiert sich auf die Entwicklung evidenzbasierter digitaler Gesundheitsanwendungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die MiNDNET E-Health Solutions GmbH, die seit 2024 Teil der MiNDNET E-Health AG ist, wurde Ende 2019 von Prof. Dr. med. Anne Karow und Prof. Dr. med. Martin Lambert von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf sowie Dr. Andreas Sprock gegründet und beschäftigt etwa 10 Mitarbeiter.
Erste App zur Prävention von Demenz
Ende 2025 wurde die App memodio vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Diese Gesundheitsanwendung richtet sich an Menschen mit leichter kognitiver Störung oder Demenz und wurde von der memodio GmbH mit Sitz in Potsdam entwickelt. Das Unternehmen wurde Ende 2021 gegründet und beschäftigt etwa 10 Mitarbeiter. Insgesamt sind 21 Firmen und Privatpersonen beteiligt, wobei die größten Anteile von der Stein Investment UG, der Cubi Trading UG und der Z Technology Investments UG gehalten werden.
2026: Bereits drei vorläufige Aufnahmen in das DIGA-Verzeichnis
Im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 wurden bereits drei neue DiGAs vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Seit Januar ist die App Oviva Direkt Bluthochdruck der Oviva AG dort gelistet. Diese App bietet eine richtlinienkonforme, app-basierte Therapie für Menschen mit Bluthochdruck. Oviva ist ein führender europäischer Anbieter von digitalen, erstattungsfähigen Lösungen für gewichtsbedingte und chronische Erkrankungen. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in der Schweiz, wurde 2014 von Kai Eberhardt und Manuel Baumann gegründet und 2018 folgte die Gründung der Oviva Deutschland GmbH als Tochtergesellschaft. Oviva beschäftigt derzeit mehr als 800 Mitarbeiter und sicherte sich kürzlich 200 Millionen Euro zur Erweiterung seiner KI-gestützten Gesundheitsversorgung in Europa.
Seit Januar 2026 ist auch die Vera-App für Wechseljahresbeschwerden der Endo-Health GmbH aus Chemnitz vorläufig im DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Diese App bietet Patientinnen mit Wechseljahresbeschwerden Unterstützung durch evidenzbasierte, richtlinienkonforme Inhalte, Methoden und Übungen. Die Endo-Health GmbH wurde 2020 von Dr. med. Nadine Rohloff gegründet und zählt insgesamt 23 private und unternehmerische Beteiligungen.
Seit Februar 2026 ist die App INKA vorläufig im DiGA-Verzeichnis gelistet. Diese App stellt eine digitale Lösung für Patientinnen und Patienten mit überaktiver Blase (OAB) dar. Sie wurde von der Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH aus Bamberg in Kooperation mit dem internationalen Software-Engineering-Unternehmen DataArt entwickelt. Die Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH, ein mittelständisches Pharmaunternehmen mit Sitz in Bamberg, steht seit 80 Jahren für qualitativ hochwertige Arzneimittel und beschäftigt etwa 350 Mitarbeiter.
Liste der Unternehmen mit vorläufig zugelassenen DiGAs
| wdt_ID | Unternehmen | Gründungsjahr | Sitz | Anzahl Mitarbeiter | Mitarbeiterzuwachs im vergangenen Jahr in % | Follower LinkedIn | Anzahl dauerhaft aufgenommener DiGAs | Anzahl vorläufig aufegnommener DiGAs |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Elona Health GmbH | 2021 | Düsseldorf | 30 | -3% | 2.555 | 1 | 1 |
| 2 | Medigital GmbH | 2023 | Iserlohn | 0 | 1 | |||
| 3 | MiNDNET E-Health Solutions GmbH | 2019 | Hamburg | 10 | 17% | 757 | 0 | 1 |
| 4 | memodio GmbH | 2021 | Potsdam | 10 | 22% | 1.052 | 0 | 1 |
| 5 | Oviva AG | 2014 | Altendorf (CH) | 800 | 38% | 31.048 | 1 | 1 |
| 6 | Endo-Health GmbH | 2020 | Chemnitz | 40 | 13% | 3.704 | 1 | 1 |
| 7 | Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH | 1953 | Bamberg | 350 | -7% | 4.809 | 0 | 1 |
| Unternehmen | Gründungsjahr | Sitz | Anzahl Mitarbeiter | Mitarbeiterzuwachs im vergangenen Jahr in % | Follower LinkedIn | Anzahl dauerhaft aufgenommener DiGAs | Anzahl vorläufig aufegnommener DiGAs |
*Quelle LinkedIn (03.03.2026), DiGA-Verzeichnis
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Über den Autor
Katharina Knauf
Mein Name ist Katharina Knauf, ich bin Diplom-Sozialpädagogin mit Master in Leadership and Communication Management und habe mich auf die Themen Recht, Soziologie, Politik und Sozialmedizin spezialisiert, um Sie dabei zu unterstützen, den Gesundheitsmarkt aus ökonomischer Sicht zu betrachten, ohne dabei seine spezifischen Besonderheiten aus den Augen zu verlieren.