Gesundheitsmarkt.de hat in diesem Jahr erstmals die „Top 40 unter 40 im Gesundheitsmarkt“ ausgezeichnet. Mit der Auszeichnung werden Führungspersönlichkeiten unter 40 gewürdigt, die die Branche aktiv mitgestalten. Felix Kopp, Head of Department & Regional Manager Digital Transformation bei der SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH, ist einer von ihnen. Im folgenden Interview spricht Felix Kopp über seinen Bezug zur Gesundheitsbranche und seine persönliche Motivation, benennt aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze und äußert sich zu den Themen Technologie, Innovation sowie den Zukunftsaussichten im Gesundheitsmarkt.
Felix Kopp – Head of Department & Regional Manager Digital Transformation SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH
„Mein Anspruch ist es, Digitalisierung mit Klarheit, Mut und Augenmaß voranzutreiben. Erfolgreiche Transformation entsteht für mich nicht durch Technologie allein, sondern durch Menschen, die Veränderungen mittragen und gemeinsam eine moderne, zukunftsfähige Gesundheitsversorgung gestalten.“
Branchenbezug & persönliche Motivation
Gesundheitsmarkt: Was war Ihre bisher größte Herausforderung als Führungskraft – und wie haben Sie sie gemeistert?
Felix Kopp: Die größte Herausforderung war für mich nicht die Einführung neuer Technologien, sondern die Veränderung von Gewohnheiten. Im Gesundheitswesen arbeiten Menschen unter enormem Zeitdruck und tragen jeden Tag Verantwortung für andere. Da ist es verständlich, dass Veränderungen zunächst kritisch betrachtet werden. Ich habe gelernt, dass man Transformation nicht „verordnen“ kann. Man muss zuhören, die Sorgen ernst nehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Wenn Mitarbeitende erkennen, dass Digitalisierung ihren Alltag wirklich erleichtert, entsteht Akzeptanz ganz von selbst.
Gesundheitsmarkt: Wie hat sich Ihre Sicht auf Führung im Gesundheitsmarkt seit Ihrem Einstieg verändert?
Felix Kopp: Früher dachte ich, gute Führung bedeutet vor allem, Entscheidungen zu treffen und Ziele zu erreichen. Heute weiß ich, dass Führung viel mehr bedeutet: Orientierung geben, Vertrauen schaffen und Menschen befähigen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Gerade in einer Branche, die sich so stark verändert wie das Gesundheitswesen, ist Führung für mich vor allem die Fähigkeit, Stabilität zu vermitteln und gleichzeitig Veränderungen möglich zu machen.
Gesundheitsmarkt: Welches Buch oder welchen Podcast würden Sie jungen Führungskräften im Gesundheitsmarkt empfehlen?
Felix Koop: Ein Buch, das mich nachhaltig geprägt hat, ist The First 90 Days von Michael D. Watkins. Es zeigt sehr praxisnah, wie man Veränderungen erfolgreich gestaltet und in neuen Situationen schnell Orientierung findet. Darüber hinaus versuche ich, regelmäßig Podcasts zu Leadership, Digitalisierung und Innovation zu hören. Oft entstehen die besten Ideen, wenn man bewusst auch über die eigene Branche hinausblickt.
Herausforderungen & Lösungsansätze
Gesundheitsmarkt: Welche strukturellen Probleme im Gesundheitsmarkt sind Ihrer Meinung nach noch zu wenig im Fokus?
Felix Kopp: Wir sprechen häufig über Digitalisierung, aber viel zu selten über die Prozesse dahinter. Wenn ein ineffizienter Prozess einfach digitalisiert wird, bleibt er ineffizient – nur eben digital. Ich wünsche mir, dass wir den Mut haben, bestehende Abläufe konsequent zu hinterfragen. Außerdem sollten wir Daten endlich als strategische Ressource verstehen und nicht nur als Dokumentationspflicht.
Gesundheitsmarkt: Welche Veränderungen wünschen Sie sich in der Gesundheitsbranche?
Felix Kopp: Ich wünsche mir mehr Offenheit für Veränderung und mehr Vertrauen darin, neue Wege auszuprobieren. Innovation braucht Raum und manchmal auch die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir weniger in Sektoren und Zuständigkeiten denken und stattdessen stärker gemeinsam auf die gesamte Patient Journey schauen. Davon würden letztlich alle profitieren.
Technologie & Innovation
Gesundheitsmarkt: Wie erleben Sie den Einsatz digitaler Tools in Ihrem Unternehmen – eher als Hilfe oder als Belastung?
Felix Kopp: Ich glaube, digitale Tools sind weder gut noch schlecht – entscheidend ist, wie sie eingesetzt werden. Wenn sie sinnvoll in bestehende Abläufe integriert sind, können sie enorme Entlastung schaffen. Werden sie jedoch zusätzlich zu bestehenden Prozessen eingeführt, entsteht schnell Frust. Deshalb ist für mich der wichtigste Erfolgsfaktor nicht die Technologie selbst, sondern die Frage: Löst sie wirklich ein Problem im Alltag?
Gesundheitsmarkt: Welche technologischen Entwicklungen könnten Ihrer Meinung nach den Gesundheitsmarkt wirklich entlasten?
Felix Kopp: Ich sehe das größte Potenzial in intelligenten Assistenzsystemen, die Routineaufgaben übernehmen. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte verbringen heute viel Zeit mit Dokumentation und administrativen Tätigkeiten. Wenn Technologie diese Aufgaben vereinfacht, gewinnen wir etwas sehr Wertvolles zurück: Zeit für die Menschen. Genau darum sollte es bei Digitalisierung am Ende gehen.
Gesundheitsmarkt: KI ist weiterhin ein Buzzword – Welche KI-Lösung würden Sie heute nicht mehr hergeben?
Felix Kopp: Für mich sind KI-gestützte Assistenten inzwischen ein echter Produktivitätsgewinn. Ob bei der Zusammenfassung von Informationen, der Erstellung von Konzepten oder der Strukturierung komplexer Inhalte – sie helfen mir dabei, schneller zu den relevanten Informationen zu kommen. KI ersetzt für mich keine Expertise oder Erfahrung, aber sie schafft Freiräume für die Aufgaben, bei denen der Mensch den Unterschied macht.
Zukunftsaussichten
Gesundheitsmarkt: Welche Trends werden Ihrer Meinung nach die Branche am stärksten prägen?
Felix Kopp: Künstliche Intelligenz wird sicherlich ein wesentlicher Treiber sein. Gleichzeitig glaube ich aber, dass Themen wie Interoperabilität, Datenqualität und der Fachkräftemangel einen mindestens genauso großen Einfluss haben werden. Die eigentliche Herausforderung wird sein, diese Entwicklungen sinnvoll miteinander zu verbinden.
Gesundheitsmarkt: Welche Entwicklungen im Markt beobachten Sie aktuell mit besonderem Interesse?
Felix Kopp: Mich fasziniert, wie schnell sich generative KI entwickelt und wie selbstverständlich sie inzwischen in den Arbeitsalltag vieler Menschen integriert wird. Gleichzeitig beobachte ich sehr genau, wie sich regulatorische Rahmenbedingungen und Standards weiterentwickeln. Denn nachhaltige Digitalisierung braucht nicht nur Innovation, sondern auch Vertrauen und Verlässlichkeit.
Gesundheitsmarkt: Was möchten Sie als Führungskraft in den nächsten Jahren aktiv mitgestalten?
Felix Kopp: Ich möchte dazu beitragen, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht als zusätzliches Projekt wahrgenommen wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil guter Versorgung. Besonders wichtig ist mir dabei, dass wir Technologie immer aus der Perspektive der Menschen denken – der Mitarbeitenden genauso wie der Patientinnen und Patienten. Wenn wir es schaffen, den Arbeitsalltag spürbar zu verbessern und gleichzeitig die Versorgungsqualität zu erhöhen, dann haben wir unser Ziel erreicht. Genau daran möchte ich in den kommenden Jahren mitwirken.
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Über den Autor
Katharina Knauf
Mein Name ist Katharina Knauf, ich bin Diplom-Sozialpädagogin mit Master in Leadership and Communication Management und habe mich auf die Themen Recht, Soziologie, Politik und Sozialmedizin spezialisiert, um Sie dabei zu unterstützen, den Gesundheitsmarkt aus ökonomischer Sicht zu betrachten, ohne dabei seine spezifischen Besonderheiten aus den Augen zu verlieren.