Gesundheitsmarkt.de hat in diesem Jahr erstmals die „Top 40 unter 40 im Gesundheitsmarkt“ ausgezeichnet. Mit der Auszeichnung werden Führungspersönlichkeiten unter 40 gewürdigt, die die Branche aktiv mitgestalten. Johannes Bracht, Geschäftsführer der Vitrea Klinik Hagen-Ambrock, ist einer von ihnen. Im folgenden Interview spricht Johannes Bracht über seinen Bezug zur Gesundheitsbranche und seine persönliche Motivation, benennt aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze und äußert sich zu den Themen Technologie, Innovation sowie den Zukunftsaussichten im Gesundheitsmarkt.

Top 40 unter 40 im Gesundheitsmarkt

Johannes Bracht – Geschäftsführer der Vitrea Klinik Hagen-Ambrock

„Kooperation, Transparenz und Klarheit – wenn wir ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, können wir zusammen erreichen, was keiner allein schaffen kann.“ 

Branchenbezug & persönliche Motivation

Gesundheitsmarkt: Was war Ihre bisher größte Herausforderung als Führungskraft – und wie haben Sie sie gemeistert?

Johannes Bracht: Ich habe während der Hochzeit der Pandemie die Geschäftsführung der VITREA Klinik Kipfenberg übernommen. Entscheidungen, die morgens getroffen wurden, waren nachmittags teilweise schon wieder obsolet. Gleichzeitig waren Meetings und direkter Kontakt auf Grund der Auflagen nur sehr eingeschränkt möglich. Das war eine herausfordernde Zeit, die aber auch zusammenschweißt und mit Ende der Pandemie das Fundament für eine gute Zusammenarbeit liegt. 

Gesundheitsmarkt: Wie hat sich Ihre Sicht auf Führung im Gesundheitsmarkt seit Ihrem Einstieg verändert?

Johannes Bracht: Am Anfang meiner Karriere war ich viel mehr darauf eingestellt auf alles eine Antwort haben zu müssen. Gerade in der komplexen Welt, in der wir leben, ist es vollkommen unrealistisch auf alles eine Antwort zu haben und das viele der besten Entscheidungen im Dialog getroffen werden – auch wenn dies natürlich nicht immer möglich ist.

Gesundheitsmarkt: Welches Buch oder welchen Podcast würden Sie jungen Führungskräften im Gesundheitsmarkt empfehlen?

Johannes Bracht: „Sich selbst Vertrauen“ von Charles Pépin, „Range“ von David Epstein und „Tribal Leadership“ von Dave Logan. 

Herausforderungen & Lösungsansätze

Gesundheitsmarkt: Welche strukturellen Probleme im Gesundheitsmarkt sind Ihrer Meinung nach noch zu wenig im Fokus? 

Johannes Bracht: Die Diskrepanz zwischen privaten und öffentlichen Trägern: wir als private Träger sind schnelle und agile Entscheider, die sich wirtschaftlich selbst tragen müssen und die Gewinne, die wir erwirtschaften, wieder reinvestieren, während die finanziellen Defizite öffentlicher Häuser mit Steuergeldern bezuschusst werden. Das beides in einem System existiert ist meiner Meinung nach paradox. Krankenhäuser müssen auch wirtschaftlich denken und agieren.

Gesundheitsmarkt: Welche Veränderungen wünschen Sie sich in der Gesundheitsbranche?

Johannes Bracht: Dass Veränderungen auch als Chancen wahrgenommen werden und nicht als Bedrohung.

Technologie & Innovation

Gesundheitsmarkt: Wie erleben Sie den Einsatz digitaler Tools in Ihrem Unternehmen – eher als Hilfe oder als Belastung?

Johannes Bracht: Wir bei VITREA setzen stark auf digitale Tools. Gerade im Management und in der Unterstützung von Entscheidungsprozessen können diese eine wertvolle Unterstützung sein. Je weiter man sich aber an die Basis bewegt, desto mehr (interne und externe) Faxe, handschriftliche Prozesse oder Doppel- oder Dreifachdokumentation findet man leider auf Grund von mangelnder Interoperationalität der Programme.

Gesundheitsmarkt: Welche technologischen Entwicklungen könnten Ihrer Meinung nach den Gesundheitsmarkt wirklich entlasten?

Johannes Bracht: Der Einsatz von Drohnen und Exoskletten kann zum einen Logistikwege einfacher machen und zum anderen (sowohl in der Behandlung, als auch in der Therapie) zu einer (wortwörtlichen) Entlastung des Personals führen.

Gesundheitsmarkt: KI ist weiterhin ein Buzzword – Welche KI-Lösung würden Sie heute nicht mehr hergeben?

Johannes Bracht: LLMs nutze ich tatsächlich hauptsächlich nur für das Schreiben von längeren Emails o.ä. Ansonsten setze ich, gerade auf Grund von unklaren Regulierungen und der diffusen Datennutzung, lieber auf die natürliche Intelligenz meines Teams.

Zukunftsaussichten

Gesundheitsmarkt: Welche Trends werden Ihrer Meinung nach die Branche am stärksten prägen?

Johannes Bracht: An KI wird wahrscheinlich kein Weg vorbeiführen. Gerade für die Unterstützung von Entscheidungs- oder administrativer Prozesse z.B. das Erstellen der Patientenakte während der Behandlung aus Standarddaten kann eine erhebliche Erleichterung darstellen. Wie tiefgreifend diese allerdings sein werden, bleibt abzuwarten. Entscheidungen sollten in letzter Instanz nur von Menschen getroffen werden.

Gesundheitsmarkt: Welche Entwicklungen im Markt beobachten Sie aktuell mit besonderem Interesse?

Johannes Bracht: Die Konsolidierung und den Zusammenschluss verschiedener Akteure. Den vielen Herausforderungen unserer Zeit ist niemand mehr allein gewachsen. 

Gesundheitsmarkt: Was möchten Sie als Führungskraft in den nächsten Jahren aktiv mitgestalten?

Johannes Bracht: Ich möchte insbesondere Rahmenbedingungen so gut es geht mitgestalten, aber auch und vor allem die Einrichtung(en) für die ich zuständig bin, so sicher wie möglich durch eine immer rauer werdende See navigieren.


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